1. Bundesliga Süd, Frauen: Sehnsuchtsziel Bardowick
Die Trainingsturniere in Schwaben, Baden und Bayern bis waren bis sieben Tage vor dem Saisonstart stark frequentiert durch die Bundesligisten der Südstaffel. Offenbar haben sich alle einiges vorgenommen. Übereinstimmend berichten die neun Teams von einer gewissenhaften Vorbereitung, dass sie den Saisonstart kaum abwarten können und teilweise auch durch neue Impulse ihre Leistungen steigern wollen. Vier Mannschaften nehmen zumindest die magischen Buchstaben „D“ und „M“ in den Mund. Drei Plätze sind für die deutsche Meisterschaft in Bardowick (18./19. Juli) zu vergeben. Ein Überblick in alphabetischer Reihenfolge:
TSV Calw:
„Wir sind alle noch da“, berichtet Spielführerin Leonie Pfrommer. Und, fast noch wichtiger für die Ambitionen der Schwarzwälderinnen: „Wir freuen uns, dass unsere Henny“ – gemeint ist die Weltklasse-Angreiferin Henriette Schell – „wieder vorsichtig ins Spielgeschehen einsteigen will.“ Zu lange musste das Team von Trainer Rolf Schlotter auf die clevere Schlagfrau verzichten, nun sind die Verletzungen wohl weitgehend auskuriert. Leo Pfrommer: „Wir wollen Spaß haben, kämpferisch auftreten und um einen DM-Platz mitspielen.“ Mit einer fitten „Henny“ und der zuletzt als Einzelkämpferin stark schlagende Fenja Stallecker dürfte das Ziel nicht zu hoch gegriffen sein.
TSV Dennach:
Was wäre eine Meisterschafts-Endrunde ohne die Pink Ladies aus dem Enzkreis, nur wenige Kilometer nordwestlich von Calw? Entsprechend selbstbewusst formuliert Spielertrainerin Anna-Lisa Aldinger die Fahrt in die Heide-Gemeinde Bardowick klar als Ziel. Der Kader entspricht dem der letzten Hallenrunde, wo der bärenstarke Kader um Kapitänin Sonja Pfrommer sich mit Bronze begnügen musste. Anna-Lisa Aldinger betreut das Team in diesem Jahr alleine und appelliert an die Kameradinnen: „Mit dem Ehrgeiz im Team und dem Anspruch jeder einzelnen“ soll ein neues Erfolgslevel erreicht werden.“
SV Energie Görlitz:
In der Hallenrunde ist das Sachsen-Team um Kapitänin und Zuspielerin Larissa Härtwig vor wenigen Wochen in die 1. Bundesliga zurückgekehrt. Der erfolgreiche Kader hat sich nicht verändert, „wir starten erneut mit acht Spielerinnen“, berichtet Schlagfrau Lara Olbrisch. Bei Heimspielen sollen erste Jugendspielerinnen integriert werden. „Wir versuchen Verbesserungen im Training und individuelle Einheiten zuhause zu integrieren“, so Lara Olbrisch. „Saisonziel ist der Klassenerhalt. Nachdem wir im Vorjahr nur durch den Rückzug von Veitsbronn in der Liga geblieben sind, wollen wir das nun sportlich schaffen.“
TV 1880 Käfertal:
„Möglichst früh den Klassenerhalt klarmachen und in jedem Spiel unsere beste Leistung abrufen“ – was Yasmin Yasin als Ziel der Mannheimerinnen benennt, klingt nach Understatement für den letztjährigen Südstaffel-Dritten. Da verhinderte das auf vier DM-Teilnehmer begrenzte Feld eine Teilnahme der Kurpfälzerinnen. Die Mannschaft um Kapitän Nadine Conrad wird nun fest durch Ayleen Hodel aus Leverkusen unterstützt, Lisa Lenzing kehrte zum TV Rendel zurück. Die Zurückhaltung begründet sich wohl darin, dass Yasmin Yasin selbst nach schwerer Knieverletzung noch nicht wieder voll einsatzfähig. Dafür verstärkt die ehemalige Unterhaugstetterin Lavinia Ziegler nach einer längeren Pause zusätzlich den TVK-Kader.
TV SW-Oberndorf:
Kapitänin Ursina Sagstetter und ihre Mitstreiterinnen werden auch in der zweiten Bundesliga-Saison auf Rasen versuchen, den Abstieg mit allen Mitteln zu verhindern. Das gelang im Vorjahr mit konzentrierten und kampfstarken Leistungen in den entscheidenden Begegnungen des unteren Tabellendrittels. Aus der zweiten Mannschaft kehrt Sandra Schmitt in den Kader von Trainer Uwe Sagstetter zurück. Ursina Sagstetter: „Wir wollen als Team weiter zusammenwachsen und das bestmögliche aus der Saison herausholen – eben, den Klassenerhalt.
TSV Pfungstadt:
Auch aus Hessen gibt es nicht allzu viel Neues zu berichten. Allerdings kehrt Stephanie Thomas nach Babypause zurück. Offen ist, ob aktiv auf dem Rasen oder als Ratgeberin an der Seitenlinie. „Wir arbeiten gezielt im Training“, lässt Allroundspielerin Kim Trautmann wissen. Da wird viel an einfachen Bällen gearbeitet und Abläufe werden immer wieder durchgegangen, um den Ball gezielter in die Offensive zu tragen. Ein Augenmerk liegt auch darauf, dass der solide aufgestellte Kader die möglichen Leistungen „auch mal über einen ganzen Spieltag und bei großer Hitze abruft. Jetzt soll es endlich mal mit der DM-Qualifikation klappen.“
TV Segnitz:
Das dürfte der Konkurrenz kaum schmecken: Die Mannschaft aus Mainfranken vermeldet keinerlei Veränderungen. Auch das bewährte Trainerduo Uli und Steffi Lauck geht die Runde mit neuer Motivation an und versucht, mit gezielten Einheiten und zusätzlichem Functional Training noch mehr aus dem Kader zu holen. „Spaß haben“, nennt Angreiferin Luisa Kaemmer ein Motiv. Denn, das haben sie mit dem Hallen-Titel in Stuttgart im März wieder gemerkt: Erfolg macht Spaß. Dazu gehören Fleiß und Talent. Das von Schlagfrau Svenja Schröder ist unbestritten. Wenn sie nicht zu häufig beruflich verhindert ist, wird das Saisonziel (Kaemmer: „erst mal die DM-Teilnahme“) erreicht.
TV Stammheim:
Die Stuttgarterinnen haben sich in der oberen Spielklasse etabliert. Trainer Florian Gruner ist nicht bange, auch wenn die langjährige Kapitänin Denise Fichtl und Lea Neumann ihre Stollentreter an den Nagel gehängt haben und Schlagfrau Anja Brezing mehrere Wochen studienbedingt fehlt. „Dafür kehrt Melanie Israel aus dem Ruhestand zurück“, so Gruner. Die erfahrene Angreiferin wird von ihrem Bruder Fabian Israel begleitet, der mehr Verantwortung an der Seitenlinie übernimmt. Taktische Varianten, Spielwitz und hungriger Nachwuchs aus der starken Jugend sollen die nächste Leistungsstufe zünden. „Früh vom Abstiegskampf distanzieren und gegen die Teams aus dem Tabellenmittelfeld mehr als nur Akzente setzen“, fordert Flo Gruner ein.
TV Unterhaugstett:
Gekommen, um zu bleiben lautet die Devise des vorjährigen Aufsteigers. Und die Chancen scheinen nach einer starken Hallenrunde zuletzt gut. Kapitänin Vera Sauerbrunn ist jedenfalls guter Dinge. Susanne Klitzke fehlt (Auslandsaufenthalt), dafür wird das Trainerdoppel Bernd Wenzdorfer und Bernd Bodler weitere Jugendspielerinnen einbinden. Mit Joleen Wenzdorfer, die in Calw Bronze bei der U18-Hallenmeisterschaft gewann, hat der TVU eine schlagstarke Angreiferin mit zunehmender Bundesliga-Reife im Team. Mit konzentriertem Training soll sich der Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Das Ziel, so Vera Sauerbrunn, kann also nur lauten: „Klassenerhalt früh erreichen, gesund bleiben, Spaß haben.“
Fazit:
Sensationen werden wohl ausbleiben. Hallenmeister Segnitz und Dauerbrenner Dennach sind für die Meisterschaft gesetzt. Um den dritten Startplatz balgen Pfungstadt, Calw und vielleicht Käfertal. Eng wird es für die Sächsinnen aus Görlitz und für Schweinfurt-Oberndorf. Sie müssen wohl hoffen, dass Stammheim und Unterhaugstett sich nicht so leicht aus der Gefahrenzone absetzen können.
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