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15. August 2019 | Allgemein | WM Männer 2019 Schweiz

WM-Story: Als Faustball-Botschafter durch Australien, Neuseeland und Hongkong

> Als Trainer der Australischen Nationalmannschaft in Winterthur: Thomas Helber (Foto: DFBL/U.Spille)

Winterthur (DFBL/ssp). Was als Schnapsidee begann, führte den faustballverrückten und ehemaligen Trainer des TV Unterhaugstett, Thomas Helber, für rund ein halbes Jahr ans andere Ende der Welt. Als Botschafter brachte er den Faustballern in Australien und Neuseeland neue Trainingsmethoden bei und bereitete das australische Team auf gleich mehrere Wettbewerbe vor. Bei der WM in Winterthur ist er als Australischer Coach an der Seitenlinie tätig.

Es ist eine E-Mail wie viele, die Thomas Helber Ende 2017 in seinem Postfach entdeckt. Absender ist Alwin Oberkersch, zu diesem Zeitpunkt zuständig für die neuen Nationen im Internationalen Faustballverband. Im Anhang befindet sich die Suchanfrage des Australischen Faustballverbandes nach einem Trainer. „Wäre das nicht etwas für dich?“, steht im Anschreiben von Oberkersch. „Du spinnst Alwin“, ist die kurze Antwort, die Thomas Helber zurückschreibt. Doch die Anfrage geistert in den kommenden Tagen und Wochen weiter ihn ihm herum. „Ich mag verrückte Dinge und habe nicht aufgehört, darüber nachzudenken“, sagt Helber. Während der Weltmeisterschaft in Winterthur, also keine zwei Jahre nach dieser E-Mail, sagt er: „Das war die Zeit meines Lebens.“

Trainer für Nationalteam gesucht

Im Hinblick auf die WM in Winterthur ist der Australische Verband im Jahr 2017 auf der Suche nach einem Trainer. „Es waren immer wieder europäische Studenten da, die den Spielern Tipps gegeben haben“, sagt Thomas Helber. Der Wunsch der Verantwortlichen sei es aber gewesen, einen lizensierten Trainer über einen längeren Zeitraum bei sich zu haben, der die Spieler anlernen kann und somit für Nachhaltigkeit sorgt. Helber scheint die perfekte Lösung: Jahrelang hat er beim TV Unterhaugstett als Trainer gearbeitet – von der Jugendmannschaft bis hin zum Bundesliga-Team. Nach seinem Umzug nach Bonn zieht er sich 2014 aus der Vereinsarbeit zurück. „Ich hatte ehrlich gesagt keine Ambitionen, noch einmal als Trainer zu arbeiten, geschweige denn für einen längeren Zeitraum ein anderes Land zu besuchen“, sagt der Coach. Doch je länger er über die Idee nachdenkt, umso besser gefällt sie ihm. Nach einigen Skype-Gesprächen mit den Australiern und seinem Arbeitgeber steht fest: Helber übernimmt den Trainerposten in Australien.

Kontakt mit Neuseeland

Zwei Mal reist er dafür auf den fünften Kontinent. Die ersten drei Monate verbringt er von September bis November 2018 in Australien – mit den Asia Pacific Championships, die zum Abschluss seiner Zeit in Melbourne stattfinden. „Ich wurde total toll aufgenommen. Zunächst habe ich beim Präsidenten Rolf Petersen, später dann bei Bryce Griesheimer gewohnt. Bereits nach wenigen Tagen hat man sich so gefühlt, als wenn man seit zehn Jahren zur Familie gehören würde“, sagt Helber. Durch die Asia Pacific Championships knüpft der Bonner Kontakt mit den Neuseeländern. Da er eh geplant hat, die Insel als Tourist zu besuchen, entschließt er sich, auch sie für einige Tage zu trainieren. Hinzu kommen Einheiten mit den neu gegründeten Nationalteams aus Samoa, Fiji und den Cook Inseln. Helber: „Ozeanien wächst in so schneller Zeit. Das ist einfach ,Wahnsinn‘ was da abgeht. Blase Dowall aus Neuseeland hat daran einen riesigen Anteil. Ich kann vor ihm nur meinen Hut ziehen.“

Auf Reise in Down Under: Tommy Helber (Foto: Facebook)

Nach zwischenzeitlichem Stopp in seiner Heimat Deutschland kehrt Thomas Helber Ende April 2019 wieder nach Australien zurück. „Hier wurde eh eine Trainingspause eingelegt, da zum Jahreswechsel Sommer in Australien ist. In Melbourne liegen die Temperaturen bei bis zu 48 Grad. Da macht keiner Sport – vorallem keine Amateur-Faustballer“, so Helber. Bis Ende Juli verbringt er Zeit mit den australischen Faustballern. An den Wochenenden finden die Trainingseinheiten statt, dazu nutzt der ehemalige Unterhaugstett-Trainer die restliche Zeit, um durch das Land zu reisen. Helber: „Die Faustball-Hauptstandorte Melbourne und Geelong liegen 85 Kilometer voneinander entfernt, da kann man sich nicht einfach an einem Abend zum Training treffen.“ Dazu seien viele Aktiven Familienväter – neben Arbeit und Familie bleibe da nicht allzu viel Zeit für das Training.

Abstecher nach Hongkong

Auf dem Rückweg nach Deutschland legt Thomas Helber dann über Bali noch einen Abstecher nach Hongkong ein. „Hier war gerade ein neuer Faustballverband gegründet worden, Mario Schmidt hatte das Projekt dort angeschoben und sie mit den ersten Schritten begleitet“, berichtet Helber. Aufgrund des Wetters kann er bei seinem Besuch kein Training abhalten, bespricht mit den Organisatoren aber ihr Konzept. „Ehrlich gesagt war ich hin und weg. Sie gehen total strukturiert vor, haben aktuell 20 Spieler, die aus Männern, Frauen und Jugend bestehen. Dazu wollen sie in Schulen gehen und Kinder und Jugendliche für den Sport begeistern.“

Tommy Helber (hintere Reihe. 2. von links) mit dem Australischen Nationalteam bei der Eröffnungsfeier (Foto: Weber/IFA)

Aktuell ist Thomas Helber wieder als Coach der Australier bei der Weltmeisterschaft in Winterthur im Einsatz. Für die Double Elimination hat es dabei nicht gereicht, die letzten Tage tritt seine Truppe beim President’s Cup an. „Das Team für die WM hat sich fast von alleine aufgestellt“, sagt der Trainer, der die Mannschaft mit gemeinsam mit Bianca Kruck, einer weiteren deutschen Botschafterin, betreut. „Vor den Asia Pacific Championships hatte ich noch die Auswahl aus 20 Spielern. Aber die können nicht alle die drei Wochen in der Schweiz bewerkstelligen. Die beiden besten Angreifer konnten beispielsweise studienbedingt nicht mitreisen.“ Der Altersschnitt der Mannschaft liege bei 35 Jahren.

Nachhaltigkeit von Bedeutung

Ob die Zeit in Australien ein Erfolg war? Das will Thomas Helber jetzt noch nicht beantworten. „Da sollten wir noch fünf bis zehn Jahre warten, ob sich nachhaltig etwas entwickelt hat. Ich habe ihnen das Handwerkzeug gezeigt, mit dem sie jetzt arbeiten können.“ Und auch für sich selbst sei die Zeit in Australien es eine unbeschreibliche Erfahrung gewesen. „Ich habe so etwas geiles noch nie gemacht. Diese Zeit, die ich erleben durfte, kann man sich für Geld nicht kaufen.“ Der Kontakt nach Australien werde auf jeden Fall bestehen bleiben – in welcher Form auch immer. „Das werde ich wahrscheinlich erst in zwei, drei Monaten beantworten können. Aber wer weiß: Schließlich habe ich vor zwei Jahren auch nie für möglich gehalten, dass ich einmal über ein halbes Jahr in Ozeanien verbringen würde…“

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