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13. August 2019 | Allgemein | WM Männer 2019 Schweiz

WM-Story: Nach ihrer Pfeife tanzen die Spieler bei dieser WM

> Im Austausch mit dem Schweizer Trainer Oli Lang: Roland Schiep (links) (Foto: Aeschimann/IFA)

Winterthur (DFBL/ssp). Es geht um den Gruppensieg: Wenn am Dienstagabend die Schweiz und Brasilien aufeinander treffen, dann erwarten viele Faustball-Experten ein verdammt enges Match um den ersten Platz in der Vorrundengruppe B. Im Fokus stehen wird in dieser Begegnung aber auch ein Deutscher: Roland Schiep. Der Koblenzer ist, gemeinsam mit Olaf Niemann (Gärtringen), die deutsche Vertretung an der Pfeife – als WM-Schiedsrichter. Bei der Partie zwischen dem WM-Gastgeber und den Südamerikanern ist er der Unparteiische.

14 Jahre ist es noch her – doch angesprochen wird er darauf heute noch. 2005 leitet Roland Schiep das Finale bei den World Games in Duisburg zwischen Österreich und Brasilien. Mitte des vierten Satzes – gespielt wird noch auf 20 Punkte – nimmt das brasilianische Trainerteam eine Auszeit. Weder Schiep noch sein Anschreiber bemerken zu diesem Zeitpunkt, dass die Südamerikaner ihre Auszeit für den Satz bereits genommen hatten. Erst nach 15 Sekunden fällt es dem Koblenzer Schiedsrichter auf – er wertet die Situation mit Fehler Brasilien und spricht den Österreichern einen Punkt zu. „Mit etwas Abstand würde ich diese Situation sehr wahrscheinlich anders bewertet“, gesteht Schiep. Heute kann er über diese Situation im Finale, das er als „Highlight“ seiner bisherigen Schiedsrichter-Karriere bezeichnet, lachen. „Verfolgen wird es mich aber sicherlich bis an mein Lebensende“, schmunzelt er.

26 deutsche I-Schiedsrichter

In Winterthur, da ist sich Schiep sicher, kann das nicht passieren. „Die Anschreiber werden zu jedem Spiel ausgetauscht und sind dadurch konzentrierter, dazu gibt es jetzt einen Vierten Offiziellen, der sowas ebenfalls im Blick hat.“ Entspannt zurücklehnen können sich Schiep, Niemann und die sechs weiteren Unparteiischen dieser WM aber nicht. Schließlich sind sie beinahe pausenlos im Einsatz. „Schiedsrichter, Linienrichter, Vierter Offizieller – bei mir waren das an den ersten beiden Tagen sieben Einsätze“, berichtet Olaf Niemann. Als seine Mannschaft vom TSV Gärtringen 1996 in die 2. Bundesliga aufstieg wurde ein A-Schiedsrichter benötigt. Niemann meldete sich freiwillig. „Das Team ist zwar ziemlich schnell wieder aus der 2. Liga abgestiegen, ich bin aber beim Schiedsen in der Bundesliga geblieben“, sagt der Gärtringer, der seit 2011 mit der Lizenz des Internationalen Faustballverbandes ausgetattet ist. 26 dieser I-Schiedsrichter gibt es derzeit in Deutschland, die die Begegnungen der Nationalmannschaften und bei internationalen Turnieren wie dem Champions oder European Cup der Vereinsmannschaften leiten.

Im Einsatz bei den World Games 2017: Olaf Niemann (Foto: DFBL/Spille)

„Die World Games vor zwei Jahren in Polen waren mein bisheriges Highlight als Schiedsrichter“, erzählt Olaf Niemann. In Breslau leitete er dabei das Halbfinale zwischen Österreich und der Schweiz. „Es war schon ein ziemlich brisantes Duell, ich musste eine Gelbe Karte zeigen“, erinnert er sich. „Diese Weltmeisterschaft in Winterthur setzt dem ganzen aber noch einmal die Krone auf. Allein was die Organisatoren hier auf die Beine gestellt haben ist schon beachtlich.“ Um dabei zu sein, hat Niemann auch seine Hüft-Operation verlegt. Die war eigentlich für den Juni geplant – um bei der WM dabei zu sein hat er sie bereits im April machen lassen. „Am Wochenende vor der WM habe ich mich mit dem Spitzenspiel zwischen Calw und Schweinfurt-Oberndorf dann zurückgemeldet“, sagt der Gärtringer Schiedsrichter, der sich mit den ersten Begegnungen zufrieden zeigte: „Bis auf einige Kleinigkeiten haben alle Schiedsrichter ein Lob von den Verantwortlichen der IFA bekommen.“ Jeden Morgen und Abend gebe es  ein kurzes Meeting, bei dem sich die Schiedsrichter auch untereinander Tipps und Anregungen geben. „Es hat alles ganz gut geklappt, aber es war auf dem Feld auch ein freundschaftliches Miteinander zwischen den Mannschaften. Ab den Spielen morgen Abend kann das schon ganz anders aussehen“, spricht er die Duelle um den Gruppensieg – insbesondere zwischen Brasilien und der Schweiz – an.

Klare Ansage vor Partie

Daran glaubt auch dieser Schiedsrichter dieser Begegnung, Roland Schiep, der sich bereits fest vorgenommen hat: „Ich werde vor dem Spiel beide Mannschaftsführer zu mir holen und ihnen klar machen, dass ich keine Stachelleien haben möchte“, verrät er. Auch auf Gestik und Mimik werde er achten. Diese müsse für Spieler, Trainer und Zuschauer nämlich klar erkennbar sein. Als Vorteil sieht Schiep, dass ihn bereits viele noch als Spieler kennen. „Das gilt besonders für die Trainer. Dadurch ist ein gegenseitiger Respekt vorhanden, der unheimlich hilft.“ In seiner Karriere als Spieler nahm Schiep auch an der Weltmeisterschaft 1999 in Olten teil. „Das war ein einmaliges Erlebnis, auch wenn es nur zur Silbermedaille gereicht hat. Deshalb freue ich mich besonders, dass ich meine erste Weltmeisterschaft hier in der Schweiz pfeifen darf.“

Wie viele internationale Veranstaltungen in Zukunft noch dazukommen, steht in den Sternen. „Ich werde 54 Jahre alt. Die Altersgrenze für I-Schiedsrichter liegt bei 55 Jahren. Es gibt aber die Möglichkeit auf eine Verlängerung. Da hoffe ich, dass es die bei mir noch gibt“, so Schiep, der seit 1983 die A-Lizenz und seit 2004 die I-Lizenz besitzt. Zunächst aber liegt der Fokus auf den Begegnungen bei dieser WM. „Durch die vielen Spiele, die es als Video abrufbar gibt, hatte ich die Chance, einige wichtige Dinge über die teilnehmenden Spieler zu erfahren“, sagt Schiep. Dazu käme die Erfahrung von vergangenen Veranstaltungen. „Man weiß, worauf man bei jedem Spieler zu achten hat. Martin Becker hat zum Beispiel bei seiner ersten Angabe im Spiel generell übertreten, um zu schauen, ob der Schiedsrichter darauf achtet. Sowas merkt man sich.“ Und für das Spiel zwischen Brasilien und der Schweiz gilt beim Koblenzer sein Credo: „Ein guter Schiedsrichter ist der, über den in den Medien nach einer Partie nicht berichtet wird.“

Schiedsrichter-Statistik

Roland Schiep und Olaf Niemann waren bereits bei einigen Begegnungen bei dieser WM im Einsatz. Ein Überblick:

Olaf Niemann
Schiedsrichter
: Tschechien – Belgien, Australien – Niederlande
Linienrichter: Serbien – Belgien, Tschechien – Neuseeland, Schweiz – USA
Vierter Offizieller: Australien – Japan, Brasilien USA

Roland Schiep
Schiedsrichter: Österreich – Italien, Namibia – Dänemark, Österreich – Argentinien
Linienrichter: Schweiz – Chile
Vierter Offizieller: Serbien – Belgien

Gerade einmal ein deutscher Schiedsrichter hat seit 1979 ein WM-Finale geleitet. Der Grund: Nur bei der WM 2007 stand die Deutsche Nationalmannschaft nicht im Endspiel. Hier leitete Andreas Bernhardt vom TSV Hagen 1860 in Oldenburg das Finale zwischen dem späteren Weltmeister Österreich und Brasilien. Vor vier Jahren in Villa General Belgrano (Argentinien) war Wolfgang Weiß aus Österreich der Unparteiische im Endspiel zwischen Deutschland und der Schweiz. „Nach dem, was wir bei dieser WM bisher gesehen haben, kann ich mich wohl darauf einstellen, dass Deutschland im Finale steht und ich im Endspiel nicht zum Zuge komme“, lacht Olaf Niemann.

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