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9. Januar 2018 | Rechte Spalte

Faustball wächst in den Niederlanden

> Die neue Faustballnation Niederlande.

Oberbruch (DFBL). Mit den Niederlanden wächst eine neue europäische Faustballnation heran. Als „Entwicklungshelfer beteiligen sich Jochen Jansen und Guido Wennmacher vom westdeutschen TuS Oberbruch. Gerade verbrachten sie ein intensives Trainingswochenende mit den Neulingen. Hier der Bericht von Jochen Jansen.

Der erste Tag

„Ich wurde an der Halle von Mohammed, Bart und den anderen Spielern freudig in Empfang genommen. Besonderes Interesse fanden die mitgebrachten Bälle: Das sind also Faustbälle. In der kleinen Nebenhalle des Sportzentrums der dortigen Korbballer begannen wir auch ohne weitere Umschweife mit
Balltraining. Zu meiner großen Freude waren hier schon 10 interessierte Sportler anwesend, die mit großem Eifer und erkennbarem Leistungswillen an
die Sache herangingen.

Da es sich ja wie erwähnt bei den Sportlern um vorwiegend Korbballer handelte, ließ ich sie zu Beginn auch die Bälle auf die Körbe spielen, um bei dieser Gelegenheit zu schauen, wie der individuelle Leistungsstand denn wohl so ist. Erwartungsgemäß erinnerte das alles mehr an eine Mischung aus Tennis und Volleyball als an Faustball. Also wurde die korrekten Spieltechniken für das Stellen, den Schlag von unten und das Abwehren erklärt und gezeigt.

Schließlich wies ich noch besonders auf das “kleine 1×1”, also Schrittstellung, langer Arm, Arme vor den Körper, usw. mit Nachdruck hin, ehe ich die Jungens wieder auf die Körbe spielen ließ: Siehe da, nun kommen die Bälle schon deutlich gezielter.

Danach ließ ich die Niederländer sich zu zweit die Bälle zuspielen: Wie erwartet, spielte sich alles auf dem rechten Arm ab. Also wurde die Übung geändert: 5
mal Ball auf den rechten Arm werfen, 10 mal auf den Linken. Immer wieder wurden Körperhaltung und Schrittstellung korrigiert. Als vorbereitende Übung
für das Angabetraining ließ ich dann noch Bälle “von oben” auf den in Abwehrstellung befindlichen Partner gegenüber werfen. Wieder musste ich Körperhaltung und Schrittstellung korrigieren, doch schon merklich weniger als zuvor.

Bevor wir eine kleine Pause einlegten, machte ich noch einen kleinen Wettbewerb: Es wurde zwei Teams zu je fünf Spielern eingeteilt, die sich in eine Reihe am Hallenende aufstellten. Der jeweils erste Spieler sollte nun den Ball abwechselnd mit links und rechts durch die Halle vor sich hertreiben, am anderen Ende den dort aufgestellten Korb umrunden, zurückspielen, und den Ball dem dann als nächsten in Reihe stehenden zuspielen. Drei komplette Durchläufe wurden absolviert. Neben Bällen und Leinen hatte ich noch echte Limburgse Vlaai mit ins Gelderland gebracht, die jetzt in der Pause auch dankend angenommen wurde.

Nach der Pause wollten die Jungens dann endlich spielen. Ein Kleinspielfeld wurde eingerichtet, und nach ein wenig Regelkunde (die Jungs hatten sich
vorbereitet) ging es auch schon los. Zu meiner Überraschung kam hier sofort ein richtiger Spielfluss zustande: Das hatte ich bei Leuten, die das allererste Mal in  ihrem Leben Faustball spielen, so nicht erwartet! Sicher, die Bewegungen waren teils noch ein wenig ungelenk, doch je mehr die Niederländer spielten, desto weniger musste ich “achter de bal!” (“Hinter den Ball”) und “armen lang!” (“Langer Arm!”) rufen.

Der Rest des Tages wurde dann mit Spielen verbracht, da man das Spiel, den Ablauf und die Regeln so am besten vermitteln kann. Alle Beteiligten waren nicht nur hoch motiviert, sondern hatten auch sichtbar Freude am Spiel. Das fiel auch den doch nicht wenigen Zuschauern, die vom Korbballspiel in der Haupthalle immer wieder den Weg zu uns fanden, zuschauten und Fotos und Filme machten. Einem hat es gar so gut gefallen, dass er er spontan zusagte, ab morgen mit zu machen!“

Der zweite Tag

„Der zweite Tag begann mit einer freudigen Überraschung: Gleich zwei neue Mitspieler hatten sich eingefunden, die gestern beim Zusehen Gefallen an unserem Sport gefunden hatten! Heute hatten wir die große Halle, und nachdem wir gestern hauptsächlich Balltraining und Übungsspiele auf dem Kleinspielfeld gemacht hatten, war die Neugierde auf beiden Seiten groß.

Mit mir war diesmal auch Guido Wennmacher, dem vor allem die Rolle des Schlag-Trainers zugedacht war. Doch zuerst wollten wir sie spielen sehen:
Also flugs zwei Mannschaften auf- und vor allem hingestellt: Das jetzt vergleichsweise große Feld machte doch sichtlich Eindruck. Die Jungens wurden in ihre Positionen eingewiesen, und ließen dann das Spiel beginnen. Hier wurden auch unsere kühnsten Einschätzungen übertroffen! Auch dieses Mal kam direkt ein richtiger Spielfluss zustanden, und das obwohl zwei von den Spielern noch nie im Leben Faustball gesehen geschweige denn gespielt hatten, und die anderen acht hatten auch nur einen Nachmittag Balltraining hinter sich! Sicher, das sah wieder alles etwas ungelenk aus, und es wurde reichlich Stellungsfehler gemacht, aaaaber: Die allermeisten Bälle wurden von der Abwehr gefangen und nach vorne gebracht, halbwegs gestellt und dann fast immer sicher rüber gebracht.

Guido staunte nicht schlecht: Dieses Niveau hätte er bei völligen Anfängern im Leben nicht vermutet. Nach ein kleiner griffen wir dann wieder korrigierend ins Geschehen ein: Guido schlug ein paar “richtige” Angaben, um auf diese Weise die Stellungsfehler auf zu zeigen, was gut verstanden und erstaunlich gut umgesetzt wurde. Danach wurde die Angabe erklärt, vorgemacht, und eingeübt. Nein, hier fiel kein Meister vom Himmel, aber dennoch: So mancher Ball fand auch seinen Weg mit ordentlich Fahrt bis auf die hintere Grundlinie!

Im nächsten Schritt ließ Guido dann einen zunächst geworfener Ball stellen und dann rüberschlagen: Die Mittellleute sollten so das Stellen üben, und die Schlagleute das neben dem Schlagen vor allen das richtige Anlaufen des Balles, derweil ich mich darum kümmerte, dass die Abwehrspieler diese Bälle fingen und nach vorne brachten. Wieder waren wir beide erstaunt, wie schnell und gut alles umgesetzt wurde, was wir zeigten und erklärten! Zeit also, das Erlernte in
der Praxis aus zu probieren. Da noch einige Interessierte aus unserem heimischen Verein mitgereist waren, stellten wir ein bunt gemischtes Oberbrucher Team mit Damen und Jugendlichen zusammen, die dann gegen die niederländischen Teams antreten sollten. Die niederländischen Teams stellten wir nach unseren ersten Sichtungen zusammen. Ja, auch gegen Guido Wennmacher am Schlag kamen zu unserer großen Freude die allermeisten Bälle zurück! In einem Satz konnten uns die Niederländer gar ein acht Punkte abtrotzen! Auch, wenn das Spiel erwartbar ungelenk wirkt: Die Eigenfehlerquote bei den Niederländern war erstaunlich gering!

In der Halle waren immer wieder zahlreiche Zuschauer, über den Nachmittag verteilt sicher über 50. Das Publikum feuerte das eigene Nationalteam begeistert an, und nachdem sie uns die acht Bälle abgetrotzt hatten, kam ein “Supporter” mit einer großen niederländischen Flagge. Tolle Stimmung! Aber auch: Tolle Sportler! Wir beiden trainieren seit vielen Jahren unsere Jugend wie unsere Erwachsene, aber Sportler, die derart schnell und gekonnt Dinge umsetzen können, haben wir nur selten erlebt! Nach diesen Testspielen wurden wieder die gemachten Fehler besprochen, und der Rest des Nachmittages wurde mit Spielen der beiden niederländischen Teams in unterschiedlichen Konstellationen verbracht. Bei diesen Spielen griffen wir immer direkt korrigierend ein, doch dieses Eingreifen beschränkte sich im Wesentlichen auf das, was jeder Faustballtrainer bei jedem Training hundertfach sagt: “Hinter den Ball!”, “Arme lang!”, “Kiste runter!” und “Guck mal, wo Du stehst” 😉

Die niederländischen Spieler fielen nicht nur durch ihr Können auf, sondern auch durch einen ausgeprägten Leistungswillen: Obwohl ihnen die sichtbar enorm schmerzten, kannten sie (durchaus durch die deutlich erkennbaren Fortschritte beflügelt), kein Aufhören! Im Gegenteil: Die Jungens haben das feste Ziel, im August zur EM auf zu laufen, und wollen da ganz sicher nicht nur “Kanonenfutter” sein! Kein allzu unrealistisches Zeil, denn was wir da am späten Nachmittag zu sehen bekamen, war zu unserer eigenen Überraschung schon richtiger Faustball!

Nach dem Spiel wurden dann also nicht nur die Kühlpacks auf die schmerzenden Arme gelegt, sondern konkrete Pläne für ein koordiniertes Training für die
EM-Teilnahme gemacht. So stehen als nächstes neben weiteren Trainings u.a. Besuche bei Spieltagen auf dem Programm. Kurzum: Die Sache läuft, und zwar
richtig gut!“

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