DM-Vorschau-Frauen: Diese Frauen kämpfen um den Titel

Verfasst am 12. Februar 2026
Allgemein

Vier Mannschaften, drei Medaillen, je zwei Spiele – ein Titel: Der Countdown läuft. Und wenn am Samstag, 28. Februar, die Halbfinalspiele um die deutsche Meisterschaft in der Stuttgarter SCHARRena steigen, ist für die Frauen aus Ahlhorn, Segnitz, Kellinghusen und Dennach alles drin. Schon aufgrund des spannenden Final-4-Modus‘, der einen holprigen Start ins Turnier nicht verzeiht. Feinheiten zählen, die Lockerheit, Nervenstärke… Kopfarbeit, oder den Kopf ausschalten? Wir haben uns bei den Mannschaften umgehört.

Halbfinale 1: TV Segnitz – VfL Kellinghusen

Uli Lauck trainierte mehrere Spielerinnen des TV Segnitz bereits, als sie noch neun, zehn Jahre jung waren. Den Durchbruch schafften die Mainfränkinnen, als die Weltklasse-Schlagfrau Svenja Schröder und Abwehrspielerin Antonia Fuchs aus Nürnberg-Eibach kamen. In dieser Hallenrunde besiegte Segnitz den Titelverteidiger Dennach zweimal deutlich. Nur ein Spiel, gegen Underdog TV Unterhaugstett und ohne Svenja Schröder, ging verloren. Letztere muss nach Medizinstudium und als nun praktizierende Klinikum-Ärztin ihre Spieltage genau planen. Bei der DM ist sie, wie alle weiß-blauen Kameradinnen, natürlich dabei.

Segnitz-Trainer Uli Lauck über…

… die Stimmung im Team: „Alle sind fit und werden dabei sein. Wenn wir jetzt noch gesund über die Fünfte Jahreszeit, die Fastnacht kommen, ist alles gut.“

… Fan-Unterstützung: „Natürlich bringen wir Fans mit. Wer bei den letzten Meisterschaftsturnieren dabei war, der weiß, dass wir eine gute Stimmung haben werden.“

… die Stuttgarter SCHARRena:Ich bin seit 30 Jahren Trainer und habe viele Hallen kennengelernt. Eines ist in allen Hallen gleich: Die Spielerinnen müssen ihre Nerven im Griff haben, egal ob nur ein paar Leute zuschauen oder die Tribünen richtig voll sind. Nach dem Anpfiff zählen nur noch die 40 mal 20 Meter des Spielfelds. Das musst du in den Griff kriegen und alles drumherum ausblenden. Für die Stimmung und den Sport ist es super, dass wir gemeinsam mit den Männern in der SCHARRena spielen. Wir freuen uns darauf, viele aus der Faustballfamilie zu treffen. Unser Hotel ist nur anderthalb Kilometer entfernt, wir können also mit der Straßenbahn zur Halle fahren.“

… das Ziel des TV Segnitz: „Auf jeden Fall ein Spiel gewinnen. Am besten das am Samstag – und dann sehen, wie es weitergeht. Eine Medaille ist natürlich wünschenswert.“

… Halbfinalgegner VfL Kellinghusen: „Ich kenne Jacqueline Böhmker und Vemke Voss von Nationallehrgängen aus meiner Zeit als U14-Kadertrainer. Natürlich hat Kellinghusen von einem Schneverdinger Versäumnis profitiert, aber ich werde den Teufel tun, dieses Team als Außenseiter einzuschätzen. Ich bin überzeugt, das Halbfinale wird ein hartes Stück Arbeit für uns.“

Ein Missgeschick des TV Jahn Schneverdingen, der aufgrund fehlender Spielberechtigung vier Punkte verlor, verhalf dem VfL Kellinghusen zur lange ersehnten Meisterschaftsteilnahme – ausgerechnet in diesem Jahr bei nur zwei freien Plätzen für die Nord-Teams. Außenseiter? Diese Rolle lehnen die Schleswig-Holsteinerinnen nachdrücklich ab.

 

Hauptangreiferin Jacqueline Böhmker über…

… die gelungene DM-Qualifikation:Wir hatten vor der Saison bei nur zwei freien Plätzen nicht auf die Teilnahme spekuliert. Als es noch drei Plätze pro Staffel gab, waren wir oft nah dran, uns zu qualifizieren, sind aber letztlich oft an uns selbst gescheitert. Diesmal wollten wir über Grenzen gehen und dass es geklappt hat, ist umso schöner, auch wenn wir von Schneverdingens Versäumnis profitieren. Wir haben eine super Saison gespielt und als einzige den Ahlhorner SV besiegt.“

… fehlende DM-Erfahrung in ihrem Team:Wir haben keinen Grund, nervös in das Turnier zu gehen. Jedes Team, das hier mitspielt, haben wir schon mal geschlagen, auch Segnitz und Dennach, auch wenn es schon eine Weile her ist. Wir wissen, dass wir als Außenseiter gehandelt werden. Daher können wir umso befreiter aufspielen.“

… die Kellinghusen-Fans: „Bislang haben sich knapp 30 Leute angemeldet. Die werden in Stuttgart, so wie wir, alles geben. Wir sind auf und neben dem Spielfeld eine laute, starke Mannschaft, die viel Stimmung macht. Und wir sind für eine Überraschung gut.“

… die SCHARRena:Ich kenne die Halle nicht, habe nur Bilder angesehen. Ich hoffe, dass eine Bande um das Spielfeld stehen wird, denn es liegt uns, wenn der Auslauf begrenzt ist. Unsere Fans und wir übernachten in einem Hotel im Stuttgarter Zentrum und haben es nicht weit bis zur Halle.“

… Halbfinalgegner TV Segnitz:Trainer Uli Lauck kenne ich von früher aus dem Jugend-Bundeskader. Ich weiß, dass Segnitz vor allem vorne stark besetzt ist mit Svenja Schröder und den anderen Angreiferinnen. Auf die gegnerische Abwehr bin ich gespannt. Im Spiel kommt es auf die Stimmung an. Wenn wir in unseren Flow kommen, sind wir nur schwer zu schlagen – auch wenn vor allem Svenja Schröder eine echte Herausforderung ist.“

 

Halbfinale 2: Ahlhorner SV – TSV Dennach

Vor wenigen Jahren musste der erfolgverwöhnte Ahlhorner SV, der seine Titel auf nationaler und internationaler Ebene aus den Nuller- und Zehner-Jahren kaum noch zählen konnte, eine Durststrecke überwinden. Das ist vorbei. Angeführt von den Defensiv-Routiniers Michaela Grzywatz und Sarah Albrecht und mit einer immer stärker werdenden Jordan Nadermann am Hauptschlag, haben sich die Niedersächsinnen aus dem Großenknetener Ortsteil zu Favoritinnen aufgeschwungen – und bei den Finals in Dresden letzten Sommer den nächsten Titel eingetütet. Vor Jahresfrist in der Dennacher Halle hingegen war nichts zu holen. Der Ahlhorner SV – die Wundertüte dieser DM?

Abwehr-Ass Sarah Albrecht über…

… die große DM-Erfahrung ihres Teams: „Es ist bestimmt ein Vorteil, wenn man schon mehrere Turniere dieser Größenordnung mitgemacht hat. Da ist nicht alles neu, man spürt eher positive Anspannung statt Nervosität.“

… den aktuellen Stand der Vorbereitung: „Alle fit, alle gesund, keine Wehwehchen. Das war eine reibungslose Saison und so kann es weitergehen. Wir trainieren normal weiter und probieren nichts neues mehr aus. Wir übernachten zentral in Stuttgart-Zuffenhausen und haben kurze Wege zur Halle. Das passt alles.“

… Schlachtenbummler: „Wir bringen einen Schwung Eltern, Verwandte und die Männer-Mannschaft mit nach Stuttgart. Das ist echt schön und nicht selbstverständlich. Wir werden unsere beste Leistung abrufen, damit sich die Reise auch für unsere Fans lohnt.“

… Erwartungen an die DM-Halle: „Ich habe nur ein paar Bilder angesehen und mein Mann Tim, der 2012 bei der Männer-DM hier gespielt hat, meinte, wir können uns auf dieses tolle Umfeld freuen. Das ist wirklich cool und ich hoffe, dass viele Zuschauer in die SCHARRena kommen.“

… das Ziel ihres Teams: „Eine Medaille wäre gut. Aber, ehrlich gesagt, wenn man im Norden Erster ist und so gut durch die Bundesliga-Runde gekommen ist, dann muss das Ziel schon mindestens Finale lauten.“

… den Halbfinalgegner:Das Dennacher Spiel läuft über die super-erfahrenen Sonja (Pfrommer) und Susi (Anna-Lisa Aldinger). Die müssen wir knacken. Der TSV Dennach ist ähnlich aufgestellt wie wir, auch bezüglich des Spielerinnen-Niveaus sind beide Teams auf Augenhöhe. Wir werden versuchen, Selbstbewusstsein mitzubringen, präsent zu sein und das Spiel zu gestalten.“

Was Ahlhorn im Norden ist, das ist der TSV Dennach im Süden: ein Dauerbrenner mit brechend vollen Pokalvitrinen, gefüllt mit Welt-, Europa- und Meisterpokalen. In der letzten Hallenrunde – vor heimischem Publikum – gelang nach langer Durststrecke der Titelgewinn. In dieser Saison mussten sich die „Pink Ladies“ dem TV Segnitz geschlagen geben – aber bei DM-Turnieren werden die Karten bekanntermaßen neu gemischt.

 

Kapitänin Sonja Pfrommer über…

… ihre durchwachsene Südstaffel-Runde: „Ich wurde Ende 2025 richtig krank. Das hat Körner gekostet und mir hat Kraft gefehlt. Ich bin nur langsam wieder reingekommen, habe an jedem Spieltag wieder einen Satz mehr gespielt. Gegen Segnitz hatte das keine Auswirkungen, bei diesen Niederlagen war ich dabei. Die spielen gerade wirklich in einer tollen Form.“

… DM-Routine:In meiner persönlichen Titelsammlung fehlt nichts mehr, und trotzdem hat man vor einer DM-Endrunde immer diese positive Anspannung. Man freut sich, gegen starke Gegner anzutreten und will abliefern. Wir sind Titelverteidiger und wissen, was wir können. Wenn wir das aufs Parkett bringen, das Herz in die Hand nehmen, dann haben wir alle Möglichkeiten. Ich freue mich auf diese Meisterschaft.“

… Unterstützung von Fans:Ich habe gehört, dass wir schon einen Bus bestellt haben, um Fans nach Stuttgart zu bringen. Eine DM hat eigene Gesetze und ich kann unserem Anhang nichts versprechen. Aber ich kann sagen, dass wir uns voll reinhängen werden, um zu gewinnen.“

… Halbfinalgegner Ahlhorner SV:Ahlhorn ist nicht gerade unser Lieblingsgegner. Wir haben Respekt, aber wollen mit Angriffslust in die Vollen gehen. Normalerweise gibt es in einem Spiel einen Punkt, an dem du merkst, dass du den Gegner jetzt im Griff hast. Das ist bei Ahlhorn anders – sehr unangenehm: Gegen die darfst du dich nie sicher fühlen und bis zum allerletzten Ball nicht nachlassen. Die geben nie auf – und sie haben darüber hinaus einen Klasse-Kader.“

Zurück
Erima GHP Kammachi Sportastic Ludwig Lobi