Die letzte Ausgabe der Faustball-Informationen

Manfred Lux (l.) ist nun Ehrenmitglied der DFBL. Die Urkunde überreichte ihm Präsident Ulrich Meiners bei der Hallen-DM in Hagen (Foto: DFBL/denDulk)
Verfasst am 13. April 2022
Allgemein

Lüneburg (DFBL/bec). Die aktuellen Ergebnisse aus den Ligen und von den Meisterschaften zu finden – in digitalen Zeiten überhaupt kein Problem. Früher war das anders. Da mussten Resultate erst mühsam zusammen telefoniert werden. Das änderte sich erst, als Manfred Lux aus Lüneburg vor 56 Jahren seinen Ergebnisdienst ins Leben rief. 

Wer sich mit Manfred Lux über Faustball unterhalten möchte, der sollte ein wenig Zeit einplanen. Denn so unterhaltsam und kenntnisreich wie der 84-Jährige kann wohl niemand sonst über den Sport sprechen. Egal ob Kader des Deutschen Frauenmeisters von 1978 oder Geburtsjahr eines frühen Jugendnationalspielers – der frühere Rektor einer Grundschule im Lüneburger Vorort Ochtmissen hat die Daten im Kopf.

Und wenn nicht, dann hilft seit 1966 ein Blick in die „Faustball-Informationen“. Das offizielle Ergebnisblatt der Sports hat Lux damals gegründet. In diesen Tagen tütet er die letzten Exemplare der „F.I.“ für seine Abonnenten ein. Das Internet – aber auch ein wenig das eigene Alter – haben Manfred Lux zu der finalen Entscheidung gebracht.

Zum Magazin-Macher wurde er in seiner aktiven Bundesligazeit als Spieler des VfL Lüneburg: „Die Teams aus Niedersachsen und dem Rheinland spielten damals zusammen in einer Staffel. Es hat immer unheimlich lange gedauert, bis wir erfahren haben, wie die anderen Spiele ausgegangen sind“, erzählte Lux einmal. Die Magazin-Idee war geboren. 

Fortan telefonierte Manfred Lux quer durch die Republik, um die Resultate und Tabellen von den Bundes- bis runter in die Kreisligen zu erfahren. Oft unterstützten ihn Ehefrau Lisa Lux und die drei Kinder dabei. 150 Telefonate kamen da nicht selten pro Wochenende zusammen: „Wenn ich nicht so eine verständnisvolle Frau hätte, wäre das nicht möglich gewesen“, erzählt der nach wie vor faustballverrückte Rentner, der als Aktiver und später als Zuschauer bereits 245 Deutsche Meisterschaften besuchte. Lux dürfte auch der einzige sein, der seit 1968 bei allen DM-Endrunden der Bundesligen und bei 49 von 51 Hallen-Finals dabei gewesen ist. Danach ging es immer schnell nach Hause – die neue Ausgabe musste verfasst und an mehrere hundert Abonnenten verschickt werden.

Zusammen begleiteten die Lux‘ viele Jahre die Nationalmannschaften zu Meisterschaften in aller Welt. Nach Brasilien, Namibia oder Argentinien flogen sie mehrfach, die Zahl der besuchten EMs und WMs in Deutschland, Österreich oder der Schweiz kennt „Manni“ Lux natürlich: „Es waren genau 100 internationale Meisterschaften.“ Zahlenmensch, der er ist, hat er auch die Kilometer der Autofahrten parat: 330.000 Kilometer – rund achtmal um die Erde ging es für den Sport. Geblieben sind neben den Zahlen unzählige Anekdoten und viele Freundschaften. „Das war ein Jungbrunnen für die zeitlich doch sehr beanspruchende Herausgabe der F.I.“, sagt der 84-Jährige. 

Logisch, dass Faustball in der Familie nach wie vor ein ganz großes Thema ist. So gilt Schwiegersohn Dirk Schachtsiek mit vier WM-Titeln bis heute als bester Faustballspieler aller Zeiten – und Enkel Ole Schachtsiek hat sich inzwischen auch in die Männer-Nationalmannschaft gespielt. 

Als dieser vor wenigen Wochen mit seiner Bundesligamannschaft TSV Hagen in eigener Halle die DM bestritt und erst im Finale gestoppt wurde, da fieberten die Großeltern Lux natürlich zwei Tage lang auf den Rängen mit. Einmal musste Manfred Lux seinen Sitzplatz verlassen – als ihm auf dem Feld vom Präsidenten der Deutschen Faustball-Liga Ulrich Meiners die Ehrenmitgliedschaft verliehen und Eintrittskarten für die Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr überreicht wurden. Dann wird in Mannheim in der SAP-Arena erstmals ein Faustballspiel auf echtem Rasen in der Halle ausgetragen. Vor 12.000 Zuschauern. Logisch, dass Familie Lux sich diese Premiere nicht entgehen lassen wird. 

Auf den gewohnten Nachbericht mit allen Zahlen und Tabellen in den Faustball-Informationen müssen Fans dann verzichten – nach 2314 Ausgaben und mehr als 13.600 Seiten ging Anfang dieser Woche die letzte „FI“ an die Abonnenten.

Manfred Lux wird seine Chronik digital weiterführen. Und auch in Zukunft wird das Telefon klingeln, wenn sich – wie gerade wieder passiert – mehrfache Weltmeisterinnen beim Lüneburger nach der exakten Zahl ihrer Länderspiele erkundigen.

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