BTS überrascht auch in Hannover – Kellinghusen löst VfK ab

Im Anflug auf die Heim-DM: (v.l.) Erik Maas und Rouven Kadgien vom VfL Kellinghusen (Foto: Uwe Spille)
Verfasst am 16. August 2020
1. Bundesliga Nord Männer Allgemein Bundesligen

Hannover (DFBL/ssp). Nach dem entscheidenden Punkt gegen den TV Brettorf kannte die Freude auf der Faustballanlage des TK Hannover keine Grenzen. Die Spieler rissen jubelnd die Arme hoch, Trainer Norbert Nest ballte die Fäuste. Es war geschafft. Nach jahrelangem Pendeln zwischen erster und zweiter Liga ist es der bis dato größte Erfolg der jungen Mannschaft: die Berliner Turnerschaft fährt zur Deutschen Meisterschaft. Nicht weniger groß war die Freude beim VfL Kellinghusen. Der DM-Ausrichter hatte sein Ticket für die nationalen Titelkämpfe zwar schon vor dem Spieltag der 1. Bundesliga Nord der Männer sicher, schaffte nun aber auch sportlich die Qualifikation – und das als Nordmeister. Komplettiert wird das DM-Trio vom VfK Berlin.

Zwischenrunde: Gruppe C

Nach dem ersten Platz aus der Vorrundengruppe in Brettorf war der TSV Hagen 1860 favorisiert in den zweiten Spieltag gestartet. Doch nach einem 11:6-Sieg zum Auftakt der Begegnung gegen den VfL Kellinghusen glitt den Westfalen die Partie mit zunehmender Spieldauer aus der Hand. Auf gegnerischen Seite spielte der VfL-Angriff von Satz zu Satz stärker auf. Rouven Kadgien sorgte zunächst für den Ausgleich (11:9), ehe sich Hagen, auch begünstigt von Eigenfehlern von Kadgien, im dritten Abschnitt mit 8:5 absetzte. Doch die Störstädter behielten die längeren Atem. Nach einem Leinenball von Philip Hofmann, waren sie auf 8:9 wieder herangerückt, glichen Aus – und holten sich, nach einem Ausball vom TSV-Hauptangreifer – auch den zweiten Satzgewinn (11:9). Im vierten Satz schien die Begegnung dann bereits früh entscheiden. Kellinghusen präsentierte sich besonders im Leinenspiel überragend, punktete immer wieder über Hofmann und führte 7:3. Doch nach einer Auszeit kämpfen sich die Sechziger noch einmal heran (7:7). Der VfL hatte aber auch darauf eine Antwort parat. Sascha Heidrich übernahm die Angabe, punktete – und verwandelte den zweiten Matchball zum 11:9.

Viel Zeit zum Durchschnaufen blieb dem VfL nach diesem Erfolg nicht. Gegen den TK Hannover sah sich der DM-Ausrichter nach drei gespielten Sätzen bereits im Hintertreffen. Hannover wirkte frischer, fand immer wieder Lücken in der gegnerischen Defensive und drehte die Partie von einem 0:1-Rückstand in eine 2:1- Führung (10:12, 11:7, 11:1). Im vierten Durchgang entwickelte sich dann wieder ein Duell auf Augenhöhe – mit leichten Vorteilen der Hausherren. Mit 10:8 lagen die Leinenstädter zum Ende des Satzes in Front, hatten zwei Matchbälle. Doch den ersten wehrte zunächst Sascha Heidrich ab, den zweiten setzte TKH-Angreifer Christos Michalakis ins Aus. Die Führung drehte sich – und nach einem Preller von Rouven Kadgien hieß es, statt Sieg Hannover, 2:2-Ausgleich (15:13). Im Entscheidungssatz war die Hannoveraner Gegenwehr dann schnell gebrochen. Mit einer 6:3 lag der VfL beim Seitenwechsel in Front und baute diesen Vorsprung bis zum Satzende noch auf 11:5 aus. Platz 1 war damit gesichert.

Kellinghusen stand als erster Finalist fest, für Hagen und Hannover ging es noch um den Einzug in das Spiel um Platz drei. Hagen legte in Durchgangs eins und zwei vor (11:5, 11:9), hatten den Sieg damit aber noch lange nicht in der Tasche. Die Klubberer bewiesen wieder einmal Kampfgeist und manövrierten sich mit einem 11:6-Satzgewinn in Abschnitt Nummer vier. Hier blieb lange offen, wer den Satz gewinnen könnte, die Führung wechselte. Am Ende hatte Hagen die Nase minimal vorn (12:10) und holte sich den Sieg der Partie.

Zwischenrunde Gruppe D

Nicht weniger eng ging es bereits im ersten Duell der Gruppe D zu. Die Berliner Turnerschaft hatte sich im Duell mit Stadtrivale VfK Berlin im Aufeinandertreffen zwei Wochen zuvor mit 3:2 durchgesetzt – und auch in Hannover ging es über die volle Distanz. Den ersten Satz holte sich dabei der VfK, obwohl die Turnerschaft lange Zeit führte und beim Stand von 10:8 bereits zwei Satzbälle hatte. Doch Sebastian Kögel punktete schließlich zum 13:11. Auch im zweiten Abschnitt gab die BTS den Ton an – und ließ sich hier die Führung nicht mehr aus der Hand nehmen. Während sich beim VfK Eigenfehler einschlichen, punktete Timon Lützow auf gegnerischer Seite – 11:5. Das Spiel hatten sie aber dennoch nicht in der Hand. Die Achillesferse des Teams befand sich auf der rechten Abwehrseite – ganz egal, wen Coach Norbert Nest hier auch einsetzte. Mitt 11:6 ging der VfK Berlin wieder in Front. Im vierten Durchgang behielt die Turnerschaft dann auch in einer engen Schlussphase des Satzes die Nerven. Nach 9:8-Führung fabrizierte Timon Lützow zwei Eigenfehler (Aus, Leine) und sorgte für einen VfK-Matchball. Doch den wehrte er genauso nervenstark ab, wie er kurz danach mit einem langen Ball auf die Grundlinie und über Manuel Kögel zum 12:10 punktete. Im Entscheidungssatz hatte die Fahrstuhlmannschaft der vergangenen Jahre gegen den amtierenden Deutschen Feld-Vizemeister dann recht schnell ein probates Mittel gefunden. Beinahe jeder Ball wurde kurz ins gegnerische Feld gelegt – und das bereitete dem VfK jede Menge Kopfzerbrechen. Der Stadtrivale sammelte Punkt um Punkt, auch die Einwechslung von Jonas Brune konnte das Spiel nicht mehr drehen. Mit 11:5 machte die Berliner Turnerschaft den Sieg perfekt.

„Mund abwischen und weitermachen“ galt es für den VfK direkt im Anschluss. Und: Konzentration hochhalten. Denn mit dem TV Brettorf lieferten sich die Hauptstädter in jedem der vier gespielten Sätze ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis in die Satzverlängerung. Um die kurzen Bälle in den Griff zu bekommen, übernahm Sascha Zaebe im Laufe der Partie die Position vorne rechts. Und mit ihm kämpfte sich der VfK nach Satzrückstand (10:12) am Ende um Sieg (12:10, 14:12, 12:10). Beim TVB machte sich dabei das Fehlen von Zuspieler Hauke Spille bemerkbar, der nach einer Fingerverletzung zum Zuschauen verdammt war. Während die Berliner sicher in der Defensive standen, musste er von der Seitenlinie mitansehen, wie immer wieder Abstimmungsprobleme auftraten, die am Ende entscheidend waren.

Diese Probleme konnte der TVB auch im Duell mit der Berliner Turnerschaft nicht abstellen. Wieder gingen die Schwarz-Weißen dabei in Führung, ehe der Konkurrent das Kommando übernahm. Besonders stark präsentierte sich auf Berliner Seite dabei Angreifer Timon Lützow, Während bei den Brettorfern weder Hauke Rykena, noch Malte Hollmann und Vincent Neu, das Spiel an sich reißen konnten, setzte er immer wieder geschickt gespielte Bälle in Richtung Seitenlinie – und führte sein Team damit nicht zur zum Sieg (9:11, 12:10, 11:4, 14:12) sondern auch auf direktem Wege zur Deutschen Meisterschaft nach Kellinghusen.

Platzierungsspiele

Hier hätte es übrigens schon beinahe mit dem direkten Halbfinaleinzug geklappt. Im Spiel um die Nordmeisterschaft lagen die Hauptstädter bereits mit 2:0 (11:9, 11:7) in Front, ehe Kellinghusen die Partie drehte (11:5, 11:7, 11:9) und den VfK Berlin – nach acht Erfolgen in Folge – als Nordmeister ablöse. Für die Männer aus Berlin ist allein die DM-Qualifikation wohl schon der größte Vereinserfolg seit der Jahrtausendwende. Nachdem die BTS-Frauen bis in die 1990-er Jahre an 23 Deutschen Meisterschaften teilnahmen, feiern die Herren nun in Kellinghusen die Premiere.

Platz drei sicherte sich der TSV Hagen 1860, der den VfK Berlin in einem weiteren Fünfsatz-Duell schlug (11:8, 11:6, 8:11, 6:11, 11:7). Da die Westfalen bereits vor der Saison mitgeteilt hatten, aus terminlichen Gründen nicht an der DM teilnehmen zu können, wird der VfK Anfang September in Kellinghusen aufschlagen.

Der TV Brettorf sicherte sich indes Platz fünf – mit einem 3:1 (11:7, 10:12, 11:4, 11:9)-Sieg gegen den TK Hannover. TKH-Spielertrainer Ole Hermanns blieb bei seinem Abschied somit ein Sieg verwehrt. Nach 37 Jahren will sich der ehemalige Nationalspieler und Vize-Weltmeister von 2003 aus familiären Gründen aus dem Faustballsport zurückziehen.

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