DM-Vorschau Männer: Diese Teams kämpfen um Gold
Die SCHARRena wird kochen, wenn die Faustball-Gladiatoren die Bühne betreten und um den Titel und Edelmetall kämpfen. Für die Südvereine aus Pfungstadt, Mannheim-Käfertal und Stuttgart-Stammheim sowie die im Norden herausragenden Brettorfer ist alles drin. Kampfansagen verkneifen sie sich, doch in unserer Vorschau äußerten sich die Vertreter des Team-Quartetts durchaus mit breiter Brust.
Halbfinale 1: TV Brettorf – TV 1880 Käfertal
Der TV Brettorf war das einzige Team, das in den Play-offs in den äußerst unangenehmen Entscheidungssatz gegen den TSV Calw musste. Gerade noch mal gut gegangen für die Niedersachsen aus dem Landkreis Oldenburg, die mit National-Angreifer Johannes Jungclaussen aus dem nur wenige Kilometer von Stuttgart entfernten Vaihingen/Enz eine optimale Verstärkung fanden – und sich in der baden-württembergischen Landeshauptstadt auf große Unterstützung ihrer Fans freuen.
Kapitän Malte Hollmann über…
… die reguläre Bundesligasaison: „Die Nord-Runde ist optimal gelaufen – alle Spiele gewonnen, wenige Sätze abgegeben (Anm.: nur fünf). „Wenn wir gefordert waren, konnten wir immer eine Schippe drauflegen. Wir sind deutlich konstanter als zuvor. Höhepunkt war das Spiel gegen Verfolger Leichlingen, wo wir unsere beste Leistung abgerufen haben. Die Playoffs gegen Calw waren Fifty-Fifty-Spiele – auch weil der Entscheidungssatz ein bisschen Lotterie-Charakter hat. Wir sind da mit 0:3 Bällen hinten gelegen, haben aber zum Glück die Wende geschafft.“
… die bewährte Brettorfer Fan-Unterstützung: „Das sieht gut aus, nachdem wir nun wieder bei einer Deutschen dabei sind. Ein großer Reisebus und diverse Pkw werden sich auf den Weg nach Stuttgart machen. Diesbezüglich können wir aus dem Vollen schöpfen.“
… den Spielort: „Die SCHARRena kenne ich nicht. Auf Bildern sieht sie eng aus, was zu unserem Spiel passen würde. Die Brettorfer Männer haben bei der DM 2012 in dieser Halle Silber gewonnen und von einer der besten Meisterschaften berichtet – mit vielen Zuschauern und toller Stimmung.
… das DM-Ziel und den ersten Gegner: „Natürlich wollen wir eine Medaille. Der Fokus liegt auf dem Halbfinale, da werden wir alles reinlegen und alles andere dann sehen. Der TV Käfertal ist ein superstarker Gegner, gegen den wir schon oft gespielt haben. Wir haben auch schon mal gewonnen, in der Summe ist die Bilanz aber negativ. Käfertal ist auf allen Position gut aufgestellt, gerade vorne mit der großen Routine von Marcel (Stoklasa) und Nick (Trinemeier). Wenn die ihre Leistung abrufen, wird es richtig schwer. Wenn wir aber über uns hinauswachsen, ist alles möglich.“
Kaum ein Faustballer in der Bundesliga hat so viel Erfahrung wie Schlagmann Nick Trinemeier vom TV 1880 Käfertal. Er ist unangefochtener Anführer der „Monnemer Buuwe“, also den Burschen aus der badischen Quadratestadt Mannheim. Den Ton im Angriff gibt inzwischen vornehmlich Marcel Stoklasa an, der mit zunehmendem Alter reift und zuletzt immer stärker wurde. Mit jungen, wilden Ergänzungsspielern ist Käfertal für manchen Beobachter so etwas wie ein Geheimfavorit auf den Titel in Stuttgart. Vielleicht klappt es ja – beim möglicherweise letzten DM-Auftritt dieses Teams?
Schlagmann Nick Trinemeier über…
… den bisherigen Faustball-Winter: „Die Runde lief gut. Der Sieg gegen Pfungstadt war ein Highlight und wir konnten ein paar knappe Spiele – außer gegen Stammheim – für uns entscheiden. Junge Spieler wie Daniel Maurer und Felix Schneider haben sich gut eingefügt und uns sehr geholfen. Die Play-offs gegen Lola haben wir solide bis gut gespielt.“
… den aktuellen Fitnessstand: „Es sind alle dabei in Stuttgart. Jeder, der in dieser Runde eingesetzt wurde, wird auch auf der Kaderliste für die SCHARRena stehen.“
… die Fans aus „Monnem“: „Es könnte sein, dass dies unsere letzte Meisterschaft in der Halle ist. Das wissen auch unsere Fans. Einige werden uns begleiten und für uns Stimmung machen.“
… den Austragungsort, 130 km von der Heimat entfernt: „Ich habe meine zweite DM damals mit dem TSV Pfungstadt hier gespielt, als sehr junge Mannschaft haben wir 2012 Bronze geholt. Es war eine der ersten Meisterschaften in einer solchen Arena – super für den Faustball, mit einer optimalen Größe. Es ist eine gute Idee, in diesem Jahr mit Männern und Frauen hier zu spielen. Organisatorisch ein großer Aufwand, ich hoffe, es kommt beim Publikum an.“
… die Erfolgsperspektiven und Halbfinalgegner Brettorf: „Wir wollen eine maximal gute Leistung abrufen, dann ist alles möglich. Bei unserer wohl letzten Hallen-DM ist die Goldmedaille das Ziel – auch wenn es natürlich schwer wird. Der TV Brettorf ist inzwischen sehr erfahren, wenn auch gefühlt zehn Jahre jünger als wir. Sie haben etliche Meisterschaften gespielt und mit Johannes (Jungclaussen) nun einen weiteren Topspieler. Er ist im Gesamtpaket einer der besten Angreifer. Brettorf wird heiß sein. Die Bilanz der letzten Jahre spricht aber für uns.“
… die Chancen der DM-Teilnehmer: „Alle vier Teams sind ähnlich stark einzuschätzen, aber Pfungstadt noch ein bisschen höher mit dem X-Faktor der großen Meistertitel-Erfahrung und Qualität. Viele Fans wünschen sich Abwechslung, wie in jedem Sport. Wenn wir als Geheimfavorit gehandelt werden, dann sind Stammheim und Brettorf ebenso Geheimfavoriten. Am Ende hat noch nie ein Team Gold gewonnen, bloß weil die Leute sagen, dass es der Favorit ist.“
Halbfinale 2: TSV Pfungstadt – TV Stammheim
Die weltweit überragende Vereinsmannschaft der letzten Jahre ist der TSV Pfungstadt. Die Hessen wurden auch in diesem Winter wieder Südstaffel-Erster und entledigten sich in den Play-offs dem SV Armstorf. Mit den Thomas-Brüdern Patrick und Sebastian sowie den Fernandos (Andrew und Ajith), Dennis Gruber sowie weiteren Top-Akteuren sind die Pfungstädter auch diesmal das Team, das es zu schlagen gilt.
Zuspiel-Routinier Sebastian Thomas über…
… die reguläre Bundesligarunde: „Die ist super gelaufen, denn bei diesem Teilnehmerfeld war der erste Platz im Süden nicht selbstverständlich. Wir sind anfangs etwas wackelig gestartet, haben mit unseren Nachwuchsspielern Sven Trautmann und Max Henrich sowie dem zurückgekehrten Torsten Stix experimentiert und viel durchgewechselt. Die Niederlage in Käfertal hat einen Hauruck-Effekt bewirkt und wir haben uns von Woche zu Woche gesteigert. Highlight war der Sieg gegen Stammheim, da waren wir bis in die Haarspitzen motiviert. Gegen Armstorf mussten wir uns den Sieg zuhause erarbeiten. Die beeindruckende Atmosphäre zuvor im Norden hat richtig Spaß gemacht …“
… die SCHARRena: „Hier wurden wir 2012 – bei unserer erst zweiten Meisterschafts-Endrunde – Dritter. Man könnte heute auch sagen: Wir haben mit dieser Halle noch eine Rechnung offen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit der Arena und mit vielen Zuschauern. Es gibt nichts schöneres als viele Zuschauer auf den Rängen, und dass auch die Frauen hier um den Titel kämpfen.“
… das Pfungstädter DM-Ziel: „Es nimmt uns keiner ab, wenn wir sagen, wir wollen dabei sein, um Spaß zu haben. Nach der Niederlage zuletzt im Feld gegen Hagen wäre es enttäuschend, hier ebenfalls den Titel nicht zu verteidigen. Das letzte Turnier in Dresden nagte an uns.
… Halbfinalgegner TV Stammheim: „Die zwei Brasilianer Gabriel Heck und Gabriel Drumm sind Riesenverstärkungen. Ich erwarte ein spektakuläres Spiel, auch weil Gabi Heck kein Standardspieler ist. Er macht immer genau das, was der Körper gerade nicht anzeigt. Ein Supertechniker, athletisch – und er hatte nun einige Zeit, um sich auf Hallenfaustball einzustellen. Der TV Stammheim ist eine junge, starke Mannschaft, der vielleicht die Zukunft gehört.“
… eine Wachablösung im deutschen Faustball: „Alle wollen den Favoriten stürzen und die Einschläge kommen näher im Spätherbst der Karriere. Aber wir sind hochmotiviert, erneut den Titel zu holen. Das regelmäßige Siegen macht süchtig. Wir verlieren unfassbar ungern. Das hilft, um sich immer zu motivieren und zu zeigen, dass man es noch kann – und man an uns erst mal vorbei muss.“
… die drei DM-Konkurrenten: „Das Feld ist sehr ausgeglichen. Alle können Meister werden. Wenn ich ein Team benennen muss, dann ist es wohl Käfertal. Aber bei einer DM muss man seine Leistung erst mal aufs Spielfeld bringen. Das ist unsere Stärke, dass wir schon x-mal in dieser Situation waren und der Körper in engen Situationen Automatismen abruft.“
Das Publikum darf sich auf den Nord-Stuttgarter Stadtteilverein TV Stammheim freuen. Klar, die Motivation, in Bad Cannstatt nach den Sternen zu greifen, ist riesig. Und mit zwei neu verpflichteten brasilianischen Weltklassespielern ist der TVS unberechenbar. Einziger Haken: es ist für alle Spieler, außer für Regisseur Felix Klassen, die erste DM-Teilnahme.
Trainer Alwin Oberkersch über…
… die bisherige Saison: „Es ist eine ganz besondere gewesen aufgrund unserer brasilianischen Gastspieler. Das kann man nicht jede Saison haben. Entsprechend gut ist die Saison gelaufen, wir haben nur gegen Pfungstadt verloren. Die Play-offs waren nach einem knappen Hinspiel ebenfalls klar. Also alles auf Kurs – es ist eine Saison bisher, wie man sie sich nur wünschen kann.“
… Fan-Unterstützung aus dem nur wenige Kilometer entfernten Stammheim: „Die Unterstützung ist bei uns traditionell sehr gut. Wir haben sensationelle Zuschauerzahlen bei den Heimspielen, um die 300. Ich gehe davon aus, dass uns mehrere Hundert Personen lautstark und mit Trommeln unterstützen werden.“
… die Atmosphäre in der SCHARRena: „Hier schließt sich für uns ein Kreis. Wir haben 2012, als die Halle neu gebaut war, die DM ausgerichtet – aber die Qualifikation knapp verpasst. Wir freuen uns riesig, diese DM wird für uns so etwas wie eine Heim-Meisterschaft.“
… das DM-Ziel: „Mit uns konkurrieren drei absolute Top-Teams. Es gibt kein klares Ziel, aber wenn wir am Ende mit unserer Leistung zufrieden sein können, dann müsste es auch passen, was die Platzierung anbelangt.“
… Halbfinalgegner TSV Pfungstadt: „Wir haben den schwerstmöglichen Gegner, das dominierende Team der letzten 10 Jahre. Bei DMs ziehen sie, auch wenn es knapp wird, immer den Kopf aus der Schlinge. Wir vertrauen auf unsere Stärke und wollen das Spiel so eng wie möglich gestalten.“
… die brasilianische Doppel-Verstärkung: „Gabi Heck und Gabriel Drumm sind in jedem Training dabei, unterstützen unsere Jugend, kennen alle Trainer. Sie sind bei unseren Kindern total beliebt und haben für einen Riesen-Motivationsschub gesorgt. Das ist durchweg positiv. Diese Saison ist jetzt schon unglaublich und alles, was jetzt noch in der SCHARRena geschehen könnte, wäre das Sahnehäubchen.“
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