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DM-Vorschau Männer: Die Meisterfrage wird neu gestellt

Ist das der neue DM-Favorit? Dem VfK Berlin werden gute Chancen ausgerechnet (Foto: DFBL/Schönwandt)
> Ist das der neue DM-Favorit? Dem VfK Berlin werden gute Chancen ausgerechnet (Foto: DFBL/Schönwandt)

Moslesfehn (DFBL/aga/bec). Seit 2010 war es eigentlich immer dasselbe: Sechs Männerteams trafen sich bei der DM-Endrunde – am Ende holte der TSV Pfungstadt den Titel. Einzig die Frage nach den weiteren Medaillenrängen versprach ein wenig Spannung. So beeindruckend die Dominanz des Teams auch Hessen auch war (und eigentlich immer noch ist), so wenig spannend war es oftmals für die Zuschauer auf den Tribünen. Dieses Mal, bei der DM in Moslesfehn, ist alles anders – allerdings aus einem unschönen Grund: Denn kurz vor Saisonende verletzte sich Pfungstadts wichtigster Mann Patrick Thomas bekanntlich bei den World Games. Schulter kaputt, bis zu 10 Monate Pause. Für Pfungstadt, das zuvor wieder souverän den Staffelsieg im Süden geholt hatte, war nun auf einmal alles anders: Als Süd-Staffelsieger steht man plötzlich als Außenseiter im Halbfinale. Und mit der Favoritenrolle müssen andere klarkommen. Der Teamcheck zur DM. 

TSV Pfungstadt: Plötzlich ist man Außenseiter

Zwar sind die fünf verbleibenden Pfungstadt-Protagonisten Sebastian Thomas, Ajith Fernando, Andrew Fernando, Oliver Späth und Alexander Schmidt stark im Abwehrverbund – aber die so eminent wichtige Angabe fehlt. „Als einzige Mannschaft ohne gelernten Angreifer – Schweinfurt mit Fabi Sagstetter lasse ich hier mal bewusst außen vor – sind wir definitiv die Favoritenrolle los geworden“, sagt TSV-Ersatzangreifer Sebastian Thomas. Dennoch hat man nicht „nachgerüstet“, etwa mit einem Akteur aus dem Ausland: „Es bleibt bei dem Plan, dass wir ohne personellen Zuwachs nach Moslesfehn anreisen werden. Da ich nach dem Abgang von Nick Trinemeier in den letzten beiden Saisons vermehrt den Zweitschlag übernommen habe, werden wir zunächst mit mir in der Rolle des Angreifers anfangen. Ob es hier zu einer Änderung während des Turniers kommt, werden wir sehen“, sagt Thomas-Ersatz Thomas. Die Ziele des Teams sind nun bescheiden: „Unser Minimalziel ist Platz 4. Alles andere ist Bonus.“ Und wer ist für Sebastian Thomas nun der Favorit? „Ich denke, dass es dieses Jahr relativ offen sein wird, wer sich zum deutschen Meister krönen lassen darf. Die besten Chancen räume ich dem VfK Berlin ein. Persönlich wünsche ich es den Jungs auch, nachdem es Ihnen in den vergangenen Jahren oftmals vergönnt wurde. Aber auch dem TV Wünschmichelbach, der eine starke Saison gespielt hat, traue ich einen Überaschungscoup zu.“

Für Pfungstadt Oliver Späth ist es die Abschiedsvorstellung auf nationaler Ebene im Trikot der „gelben Wand“ – er kann auf zehn DM’s und einige andere internationale Titel zurück blicken. Ab der Hallenrunde 2017/18 wird er zusammen mit seinem Heimatverein dem FBC Offenburg auf Punktjagd gehen.

 

TV Wünschmichelbach: Newcomer mit Titelchancen

32 Jahre mussten die Odenwälder auf eine weitere Teilnahme bei einer Männer-DM warten. Die Mannen vom Bärsbacher Weg wollen sich der Herausforderung stellen und alles was sie haben in die Waagschale werfen. In der abgelaufenen Runde wurden in 12 Partien „nur“ 25 Sätze abgegeben – wenn man die Spiele gegen den TSV Pfungstadt außen vorlässt. Der TVW hat sich in der starken Südstaffel gegen die arrivierten wie Schweinfurt, Offenburg, Vaihingen und Rosenheim behauptet.

Mit einem Altersdurchschnitt von 21,6 Lenzen stellt der TVW das Jüngste Team der DM. Die Abwehr zeigt sich über weite Strecken auf Augenhöhe mit den restlichen Südteams. Zwei Spieler des TVW – Dennis Gruber und Jonas Schröter – durften sich in den letzten Jahren das Trikot des A-Kaders überstreifen und gehören zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Auf den letzten Vorbereitungsturnieren konnten man aber nicht an die Leistungen aus der Bundesliga anknüpfen, so musste man in Widnau etwas überraschend schon in der Vorrunde seine Ambitionen zurück schrauben.

Am Anfang der Saison wusste niemand so genau wo die Reise hingeht – selbst der Abstieg wurde nicht ausgeschlossen. 70 Fans werden die Mannschaft mit Trommeln und Trompeten in den hohen Norden bekleiden. Gegen Ahlhorn wird es im Quali-Spiel sicher ein Match auf Augenhöhe mit Vorteilen für das Nordteam – der ASV hat auf fast allen Positionen gleichwertiges bzw. spezialisierteres Personal zu bieten und ebenfalls lautstark unterstützt werden. Als Neuling bei den Großen wird es in erster Linie mal darum gehen sich auf dem nationalen Parkett zu präsentieren und die Nervosität schnell abzulegen.

 

TV Schweinfurt-Oberndorf: Hinten sicher, vorne trickreich

Der TVO ist abwehrtechnisch die wohl am schwersten zu bespielende Mannschaft. Die Defensivreihe kann in jedem Satz ihren Angriffsduo zwei bis drei Anläufe mehr schenken, als ihrem Gegenüber lieb sein wird. Was dem Kapitän der Nationalmannschaft, Fabian Sagstetter, als Angreifer an „reiner“ Schlagkraft fehlt kann er jeder Zeit mit Übersicht und Spielwitz ausgleichen. Jaro Jungclausen gibt zur Zeit den zweiten Angreifer aus der Mitte heraus und wurde für diese Rolle auch in U21-Kader berufen. Dennoch stapelt Trainer „Jo“ Sagstetter tief vor der DM, wenn er sagt: “ Wir sind ohne Angreifer mit dem Ziel Nichtabstieg gestartet. Das gelang ziemlich schnell. Wir freuen uns über die unerwartete DM-Qualifikation.“

Das Zuspiel beim TVO, egal von wem und aus welcher Lage, ist nahezu perfekt getimt. Ob es den Defensivkünstlern gelingt, im Quali-Spiel gegen die Angriffspower aus Voerde zu bestehen, wird auch davon abhängig sein, was die Wetterbedingungen machen. Im letzten Jahr musste der TVO eine äußerst empfindliche und unerwartete Niederlage gegen den TV Voerde einstecken. Die Mannen um Fabian Sagstetter – Jaro Jungclausen, Johann Habenstein, Maximilian Lutz und Florian Dworazcek – sind gewarnt. Das Team wird ergänzt durch Jens Scheiffele, Christian Eschner und Nicolas Bitsch. Die Chancen auf den Einzug in das Halbfinale sollten bei 50/50 liegen – der Sieger wird gegen den TSV Pfungstadt antreten und dort wohl den Einzug in das Finale klar machen können. TVO-Coach Joachim Sagstetter sieht jedoch den Gegner leicht im Vorteil: „Im letzten Jahr haben wir das Qualispiel in Komplettbesetzung verloren. Nachdem unser letzter Sieg bei einer DM schon einige Zeit zurück liegt, sehen wir uns nur in der Außenseiterrolle gegen Voerde.“

Der Trainer der Franken sieht die Berliner am Ende ganz oben auf dem Treppchen: „Favorit für den DM-Titel ist der VfK.“

 

VfK Berlin: Favorit mit Personalproblemen

Das Team, das vom Ausfall des in den letzten Jahren alles dominierenden Patrick Thomas am meisten profitieren dürfte, so sehen es jedenfalls viele Experten, kommt aus der Hauptstadt und hat Erfahrung satt: Der VfK Berlin um den frischgebackenen World-Games-Sieger Lukas Schubert gilt als Favorit auf den Titel, den man zuletzt bei der DM von Düdenbüttel 2009 erringen konnte. Aus dem damaligen Team sind neben Schubert noch einige Akteure an Bord, die nun endlich wieder ganz oben stehen wollen. So richtig drüber freuen über die gestiegenen Titelchancen mag der VfK-Angreifer sich nicht: „Klar ist die Chance, mal wieder einen Titel zu holen, damit größer, jedoch können sich an beiden Tagen schnell die Voraussetzungen ändern. Es ist aber in erster Linie wirklich nur bitter, dass er sich so schwer verletzt hat. Mir macht es immer riesigen Spaß mit ihm auf dem Feld zu stehen, ob mit oder gegen ihn.“

Und ausgerechnet jetzt gibt’s auch noch Personalprobleme: „Aktuell ist die Lage leider nicht sehr rosig. Nach dem 5-fachen Rippenbruch von Basti Kögel hatten wir auch im Anschluss etwas Verletzungspech, sodass wir eigentlich seit Anfang Juli bei Champions-Cup kein Spiel mehr mit der ersten Garde bestreiten können“, sagt Schubert. Und: „In den letzten Wochen musste unsere neuformierte Offensivreihe leider auch die Belastung im Training sehr dosieren, damit wir bis zur DM möglichst fit und spielfähig sein werden. Sicherlich vorteilhaft ist es für uns, dass nur ein Spiel pro Tag gespielt werden muss und bei drei Gewinnsätzen die Belastung zu bewältigen ist, auch für die angeschlagenen Spieler. Aufgrund der angespannten Personallage werden wir unsere Nachwuchskräfte Lauritz Schubert und Manuel Kögel in den Kader berufen, die beide in dieser Saison schon zu Einsätzen gekommen sind.“

Die Favoritenrolle nimmt der VfK-Angreifer gelassen hin: „Das mag aufgrund der letzten Jahre jetzt die naheliegende Meinung sein, dass wir der Favorit sind, da wir oft gegen die Pfungstädter mit Patrick recht knappe Spiele abgeliefert haben. Einen Favoriten habe ich persönlich überhaupt nicht, wobei ich vor allem von Wünschmichelbach einiges erwarte und viel Gutes in dieser Saison gehört habe. Wenn man sich mögliche Szenarien vor Augen führt, kann mit einen Sahne-Wochenende jede Mannschaft deutscher Meister werden.“

 

TV Voerde: Beeindrucken die Westdeutschen wieder?

Sie waren die positive Überraschung der DM von Bredstedt im Vorjahr und sie wollen wieder daran anknüpfen: Der TV Voerde zog ins Halbfinale ein, sicherte sich einen Platz im internationalen Geschäft. Wieder als Zweiter und mit nahezu derselben Punkteausbeute wie damals fährt der TVV zur DM. Mittlerweile ist das Team um einiges erfahrener, auch Bundestrainer Olaf Neuenfeld hat Voerdes Philip Hofmann sowie Kevin Schmalbach schon zu Lehrgängen eingeladen. Ein Vorteil.

Spielertrainer Sebastian Pynappel hat sein Team in der Liga wieder souverän zur DM geführt – gepunktet wurde zuverlässig gegen die „Kleinen“ der Liga. Überraschungssiege wie etwa gegen Topteam VfK Berlin gelangen jedoch nicht. Und gegen den Ahlhorner SV, den dritten Nord-Vertreter bei der DM, ist die Bilanz ausgeglichen mit einem 5:3-Erfolg und einer 1:5-Pleite. So ist Voerde die große Wundertüte von Moslesfehn – ein Erfolg gegen Schweinfurt-Oberndorf mit Trickser Fabian Sagstetter ist auf jeden Fall im Bereich des Möglichen. Und dann würde der ersatzgeschwächte Ex-Topfavorit Pfungstadt warten – auch hier ist etwas drin …

 

Ahlhorner SV: Die Sehnsucht nach den Medaillenspielen

„Wir werden im Qualispiel alles geben, um endlich mal wieder bei der Medaillenvergabe mitspielen zu dürfen!“ – Karsten Bilger, Trainer des Ahlhorner SV hat die Nase voll vom ständigen frühen Ausscheiden bei DM-Endrunden in den letzten Jahren. Als Dritter aus dem Norden trifft das ASV-Team am Samstag auf den Süd-Zweiten Wünschmichelbach. Kein leichtes Los. „Man kann sicherlich davon ausgehen, dass wir auf einen sehr motivierten und spielstarken Gegner treffen werden. Darauf müssen wir uns einstellen und gleich von Beginn an hellwach sein. Wir haben noch nie gegen Wünschmichelbach gespielt, die Spieler kennt man aber schon – das macht das Spiel für uns noch interessanter“, sagt Bilger, der denkt, „dass die Tagesform den Ausschlag darüber geben wird, wer in das Halbfinale einziehen wird.“

Personell können die Blau-Weißen bei der DM vor der eigenen Haustür nicht so ganz aus dem Vollen schöpfen: „Leider müssen wir auch dieses mal verletzungsbedingt auf einen Spieler verzichten –  Arne Grotelüschen wird leider nicht mehr rechtzeitig fit zur DM.“

Auch für Trainer Bilger ist die Frage nach dem Deutschen Meister in diesem Jahr spannend wie lange nicht: „Vom Papier her ist nun sicherlich der VfK Berlin der Favorit auf den DM-Titel. Aber andersherum wird nun jede Mannschaft umso mehr versuchen die sich bietenden Chance, nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Patrick Thomas, zu ergreifen. Ich denke, dass DM-Rennen ist offen wie lange nicht mehr!“

 

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